Roissy

Sound:
Branch:
Transport
Country:
Spectrogram (?)
roissy
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About

1974 nimmt der Pariser Flughafen Charles de Gaulles seinen Betrieb auf. In der vorangegangenen Planungsphase arbeitet das Team um Architekt Paul Andreu, bestehend aus Innenarchitekten, Psychologen, Musikern und Typographen, interdisziplinär an der sensuell erfahrbaren Gestaltung des Flughafens.

So werden, neben der für damalige Verhältnisse sehr modernen Architektur, vom Schweizer Typografen Adrian Frutiger alle visuellen Zeichen entworfen, die seit 1975 mit ihrer Typographie und den Piktogrammen das Leitsystem des Flughafens prägen. Auch der Klang wurde elementarer Bestandteil der Gestaltung.

Neben dem Akustikdesign steht hier der Gong des Flughafens, in seiner Funktion als ästhetisch gestaltendes Element, im Mittelpunkt. Zusätzlich zu seiner reinen Signalfunktion prägt er als architektonisches Element den erlebten Eindruck des Raumes entscheidend mit. Licht und Materialien, visuelle Zeichensysteme, Farben und Klang fungieren hier als gleichberechtigte Teile einer multisensuellen Gestaltung.

Der Gong, der unter dem Namen Indicatif Roissywohl eines der berühmtesten Beispiele der angewandten Musik ist, wurde 1971 von Bernard Parmegiani komponiert und erklang bis 2005 vor jeder Ansage, die im Terminal 1 Roissys gemacht wurde.

Parmegianis flirrende Klangskulptur setzt eine Zäsur im Umgang mit Gebrauchsklängen. Einen elektroakustischen Avantgarde-Künstler für die auditive Gestaltung des Flughafens zu verpflichten – das wäre in etwa so, wie wenn die Deutsche Bahn ihre Terminalklänge von Kraftwerk gestalten ließe. Die an das Rattern der Anzeigetafeln erinnernde Mikrokomposition des Indicatif Roissy steht bis heute als Klangmarke für die Flughafengesellschaft und inspiriert als isoliertes Zitat andere Künstler und Werke. So hört man den Indicatif Roissy in Roman Polanskis Film Frantz & im Stück Terminal von Monolake.

Im Jahr 2005 implementiert die Betreibergesellschaft Aéroports de Paris ein neues Corporate Design, auch der Indicatif Roissy wird ersetzt. Der neue Gong, eine helle Fünftonfolge, wirkt zwar zeitgemäß, hat aber nur wenig vom starken ästhetischen Ausdruck seines Vorgängers beibehalten.


Analyse

Der Indicatif Roissy zeigt im Spektogramm noch eine weitere Facette seiner Schönheit. Auf der visuellen Darstellung entsteht eine räumliche Tiefe, als wären die beiden Arpeggios hintereinander gestaffelt. Diese scheinen zu fliegen: mit Fantasie erkennt man ein Objekt, ein „V“, das den Schwingen eines Vogels ähnelt.

Ob Parmegiani das visuelle Bild dieses Sound Idents bei der Komposition bedacht hat und auf diesem Konzept beruhend die Frequenzen gestaltet hat, ist nicht bekannt. Die Tatsache, daß dieses viersekündiges Klangzeichen mehrere Interpretationsebenen öffnet und dabei einprägsam und unverwechselbar bleibt, macht es zu einem der bedeutendsten im Kanon der Gebrauchsklä

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